Es war mir nicht bewusst, dass es einen Kanal gibt, einen Übergang, den ich aktiv beschreiten kann, um von meiner äußeren Wahrnehmung, von den Eindrücken, die auf mich einströmten, hindurchzuschreiten in meinen inneren Raum.
Als ich diese Welt zum ersten Mal wahrnahm, war ich wie im Rausch. Eine Welt, von der ich nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt.
Das geschah etwa ein halbes Jahr, nachdem ich in den Moment gefallen war. Ins Jetzt. Denn zunächst war ich zwar irgendwie im Moment, doch der gefiel mir nicht. Ich fand ihn leer und langweilig. Natürlich war ich erst einmal froh, dass mich das Zeitgefüge nicht mehr so im Griff hatte. Dass ich meinem Kopfkino entwichen war und mich als Beobachterin wiederfand, die meiste Zeit zumindest.
Die Natur wurde in dieser Phase meine größte Heilerin. Ihre Ausstrahlung, ihre Präsenz gaben mir das Gefühl von Sicherheit, dass ich mich schutzlos zeigen und einfach spüren konnte. Ich hatte Zeit. Ich war finanziell so weit abgesichert, dass ich mich sorglos dem Moment hingeben konnte.
Nicht, dass ich all die Probleme und Fragen des Lebens vergessen hätte. Aber der Moment schuf mir einen Raum, der es mir überhaupt erst ermöglichte, bewusst über etwas nachzudenken.
Das gab es vorher nicht.
Es gab kein Dazwischen.
Es gab nur das, was war und das, was kommt.
Keine Erdung. Keine Ruhe im Kopf.
Nun hatte ich Ruhe im Kopf und fragte mich: Was fange ich damit an?
Daraufhin kam der Impuls, eine mediale Ausbildung zu beginnen. Ich fühlte mich wie dazu berufen.
Über philosophische und spirituelle Bücher hatte ich den Zugang zu meiner Neugierde wiedergefunden. Ich wollte wissen, wie weit meine Fähigkeiten reichten, besonders in Bezug auf die Hellsinne.
Dieser kleine Bewusstseinsraum, den ich mir erschaffen hatte, wollte gefüllt werden.
Und am ersten Abend, einem Übungsabend, den ich als völlig Unerfahrene betrat, änderte sich alles in meinem Leben. Ich arbeitete zweimal mit meiner Ausbilderin. Beim zweiten Mal platzte der Knoten.
„Spüre in dich hinein. Was fühlst du gerade? Sprich einfach darüber. Fang damit an.“
Ich folgte ihren Anweisungen. Suchte nach einem Gefühl in mir. Fühlte und beschrieb, was ich wahrnahm. Mein Blick richtete sich nach innen und ich beschrieb meine Empfindungen. Es tat sich wie ein Strom auf, der anfing zu fließen. Erst langsam, dann stetiger und klarer.
Mein Herz machte einen Freudensprung.
Ich hatte meine Kreativität entdeckt.
Meine innere Welt.
Ich war den Tränen nahe.
Es war mein Tor. Meine ewige Flamme.
Sie stand mir nun offen für alles, was ich erschaffen wollte.
Seitdem übe ich mich darin, meine äußere und meine innere Welt zu verbinden. Je mehr ich zulasse, was aus meiner Tiefe nach außen möchte, desto friedlicher werde ich. Desto freier fühle ich mich.
Die Freiheit in mir zu finden war eines der größten Geschenke, die ich bis dahin in meinem Leben erhalten hatte. Diese Suche hatte ein Ende. Ich wurde neu geboren.
Und die ewige Flamme brennt unendlich. Sie ist lebendig und schön, voller Liebe und rein.
Sie nährt sich aus dem großen Ganzen, leuchtet durch meine Form und strahlt in das große Ganze zurück. Durch mich entsteht daraus etwas Greifbares, etwas Menschliches, etwas Erdiges, etwas Materielles.
Das ist die Aufgabe, die ich hier habe. Aus dem, was durch mich brennt, Schönheit zu kreieren. Diese Flamme sichtbar zu machen, damit ihr Licht dem Ganzen wieder zugeführt wird.
Frage ganz leise in dich hinein: Was ist mein Ausdruck, welche Sprache spreche ich? …und lausche neugierig und mit offenem Herzen der Antwort.